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KH006 – Lennart Naujoks – Schauspielleiter und Dramaturg

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KH006 – Lennart Naujoks – Schauspielleiter und Dramaturg

On Oktober 28, 2013, Posted by , In Veröffentlicht, With No Comments

Im  Anschluss an mein Interview mit Sebastian Zumpe habe ich ihn gefragt ob er wüsste, wen ich noch wegen eines Interviews ansprechen könnte. Als erster viel Sebastian Lennart Naujoks ein. Das kam mir sehr gelegen, da ich ihn ohnehin auf meiner Liste hatte. Ich habe von Sebastian die Telefonnummer bekommen und in der folgenden Woche bei Lennart angerufen.

Wir haben ungewöhnlich  schnell einen Termin gefunden. Am 27.10.2013 haben wir uns dann im Stadttheater verabredet.

Begonnen haben wir natürlich mit den bisherigen Stationen von Lennart. 1980 geboren in Berlin, Studium Germanistik und Geschichte in Hamburg, Erfahrungen bei Kampnagel, Basilika Hamburg, Gorki Berlin, Freie Szene Berlin, Altenburg/Gera und schließlich Bremerhaven.

An die Stelle gekommen, ist Lennart über eine Ausschreibung bei theaterjobs.de Es gab verschiedene Bewerbungsgespräche bis zur Anstellung. Dann begann auch gleich die Arbeit am neuen Spielplan. Wie das ganze sich entwickelt erfahren wir, das Dramaturgen viel lesen müssen und wann der Regisseur ins Spiel kommt.

Das ganze wird dann mit dem Intendanten in der wöchentlichen Runde besprochen.

Lennart spricht über die Sinnsuche – also was soll eigentlich transportiert werden – die Besetzung und die Proben. In den Proben ist der Dramaturg meist der erste Zuschauer. Hier hat er die Aufgabe aufzuzeigen, was vielleicht nicht so läuft wie beabsichtigt. Kontrolle im positiven Sinn, um “Betriebsblindheit” oder Automatismen vorzubeugen.

Weitere Aufgaben des Dramaturgen sind die Entwicklung des Programmheftes und die Durchführung von Stückeinführungen –  die ich vor dem Interview gesehen habe.

Die Diskussion von Anfang des Jahres über korrekte Sprache – Negerprinzessin, Pippi Langstrumpf etc. – nehme ich zum Anlass, mit Lennart genau darüber zu sprechen. Dazu bekommen wir, wie ich finde, sehr reflektiert Antwort. Dann reden wir kurz über Wellen oder Modeerscheinungen in der Dramaturgie.

Als nächstes sprechen wir über das Stück, das Lennart heute eingeführt hat, Das Fest. Hierbei handelt es sich um die Inszenierung eines Stückes, das zuerst als Film aufgeführt wurde. Wir hören, was es bedeutet, solch einen Stoff für die Bühne vorzubereiten.

Im Anschluss sprechen wir über “Die Verwandlung“, das Stück, über das ich ja schon mit Sebastian Zumpe gesprochen habe. Spannend hier ist, das Amina Gusna Regie führt, mit der Lennart schon in Altenburg zusammengearbeitet hat.

Wir sprechen kurz über das Theaterfrühstück und das Umsonst-Festival. Bei dem Thema Umsonst-Festival habe ich etwas falsch Schlüsse gezogen, es ist aber trotzdem interessant.

Lennart erklärt mir kurz, was der Direktionsdienst ist. Dieser Dienst hat es erst ermöglicht, das wir uns so kurzfristig treffen konnten.

Auf die Frage, “Fühlst Du dich wohl hier?” hat Lennart ohne nachzudenken sofort gesagt, ja, ich fühle mich total wohl und bin unheimlich schnell hier angekommen. Wir hören noch kurz etwas über schöne Ecken in Bremerhaven, die man Verwandten und Freunden, die zu besuch sind, zeigen kann.

Am Ende haben wir sehr schön gehört wer Lennart ist, allein durch die Art, wie er spricht, aber auch was ein Dramaturg macht.

 

 

Am Ende wie immer der Text des Deutschen Bühnenvereins:

Der Dramaturg betreut ein vielfältiges Aufgabengebiet und trägt wesentlich zum künstlerischen Profil eines Theaters bei. Er arbeitet in zwei Richtungen. Nach innen – d.h. innerhalb des Theaterbetriebes – sorgt er für eine musik- und literaturkritische Bearbeitung der geplanten Opern und Schauspiele und wirkt an einem ausgewogenen Spielplanentwurf und an der Entwicklung von Spielvorlagen mit. Nach außen – d.h. beim Publikum und der Presse – bemüht er sich um eine adäquate Vermittlung der künstlerischen Vorstellungen des Regisseurs, Choreografen, Dirigenten oder Intendanten und versucht, die Öffentlichkeit für die Arbeit und die Ideen des Theaters zu interessieren.

Dramaturgische Arbeit ist bestimmt durch die Lust an der offenen Auseinandersetzung mit Texten oder Partituren und deren vielfältige Darstellungsmöglichkeiten. Als Lektor eines Theaters sichtet der Dramaturg die neu erscheinenden Dramen und Opernwerke und beurteilt sie hinsichtlich ihrer Qualität und Bühnentauglichkeit. Dabei hat er besonders auf Stücke zu achten, die aufgrund ihrer ästhetischen, formalen oder inhaltlichen Gestaltung zum künstlerischen Profil des jeweiligen Hauses passen. Eine erfolgreiche Lektoratsarbeit kann demgemäß nur gelingen, wenn der Dramaturg über ein umfangreiches Wissen an Primär- und Sekundärliteratur verfügt, das er beständig erweitert und ergänzt. Nur so ist er in der Lage, ein Beurteilungsvermögen zu entwickeln, das sowohl klassischen als auch zeitgenössischen Werken gerecht wird. Bei der Stücksuche wird der Dramaturg immer auch darauf achten, welche personellen Kapazitäten sein Haus bietet. Wenn einzelne Rollen aus den eigenen Reihen nicht besetzbar sein sollten, weiß er, wen man in diesem Falle als Gast verpflichten könnte.

Da Theater immer im Dialog mit der Öffentlichkeit stehen, muss der Dramaturg darüber hinaus ein sicheres Gespür für Stimmungen innerhalb der Gesellschaft besitzen und Autorenkontakte pflegen. Die Maßnahmen, mit denen ein Theater seine künstlerischen Ideen nach außen vermittelt, werden in der Regel vom Dramaturgen geplant, gebündelt und koordiniert, oft in Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen. Häufig erstellt der Dramaturg das Programmheft, dessen Gestaltung mit der Intention des jeweiligen Regisseurs harmonieren sollte. Ein gelungenes Programmheft sollte sowohl dem unerfahrenen als auch dem langjährigen Theatergänger das Verständnis des Werkes und seiner Interpretation erleichtern. Ein weiteres wichtiges Feld ist die Betreuung der Presse, solange dies nicht durch den Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter abgedeckt wird (vgl. dort). Dazu gehört beispielsweise das Erstellen von Pressemappen mit Informationen über das Stück, die Darsteller, den Regisseur, den Dirigenten usw., die Kontaktpflege mit Kulturredakteuren und das Einladen zu Proben, Premieren und Pressekonferenzen. Hinzu kommen oft die Herausgabe einer hauseigenen Theaterzeitschrift, die Organisation von Workshops, Besucherführungen, Publikumsdiskussionen, Theaterfesten, und vor allem eine engagierte und fundierte Jugendarbeit vor Ort und in den Schulen.

In großen Häusern gibt es bisweilen mehrere Dramaturgen, denen ein Chefdramaturg übergeordnet ist. Viele Häuser arbeiten auch mit einem Produktionsdramaturgen, der für eine bestimmte Produktion engagiert wird. Dieser arbeitet dann zum Teil auch am Regiekonzept mit und nimmt zu diesem Zweck regelmäßig an den Proben teil.

VORAUSSETZUNGEN

Der Beruf des Dramaturgen verlangt keine festgelegten formalen Voraussetzungen, obwohl es mittlerweile spezielle Studiengänge gibt. Da jedoch ein umfangreiches Wissen hinsichtlich der Primär- und Sekundärliteratur, Erfahrung in der Kritik und Analyse von Texten sowie Fähigkeiten im Formulieren von literaturkritischen Texten unabdingbar sind, sind z.B. Studiengänge wie Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Philosophie oder Germanistik sowie Berufe wie Journalist, Lehrer oder Schriftsteller als Vorbildung besonders geeignet. Ein Operndramaturg sollte Musikwissenschaft studiert haben und in der Lage sein, eine Partitur zu lesen und auf dem Klavier umzusetzen. Außerdem sollte ein angehender Dramaturg noch die folgenden Eigenschaften mitbringen: Organisationsvermögen, Lernbereitschaft, Durchsetzungsvermögen, Teamfähigkeit, Kontaktfreude, Überzeugungskraft, Gespür für Form und Ästhetik, Fantasie, Sensibilität, Menschenkenntnis und die Lust am Entdecken neuer Möglichkeiten. Ob mit oder ohne Studiengang – in diesem Beruf Fuß zu fassen hängt vor allem vom persönlichen Engagement ab, angefangen von der Aneignung der notwendigen Kenntnisse bis hin zur eigenständigen Kontaktaufnahme zu Theatern. Man kann sich z.B. zunächst um eine Stelle als Dramaturgieassistent bemühen oder um eine Dramaturgenstelle in einem kleineren Theater.

Quelle : http://www.buehnenverein.de

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